Die Warburger Kita-Leiterinnen sehen schwarz und haben ihrer Sorge Ausdruck gegeben (vorne von links): Katja Schweins (St. Michael Germete), Sarah Bickmann (St. Martin Warburg), Selina Güntermann (Mariä Himmelfahrt), Alexandra Schulze (Kreuz Erhöhung Bonenburg), Johanna Breker (Mariä Heimsuchung), Ilona Kröger (St. Franziskus) und Jana Schachten (Charvinstift). Foto: Jürgen Vahle
„Wir wollen Einfluss nehmen, auf eine Überarbeitung des Gesetzentwurfs hinwirken. Der Kita-Alltag ist kunterbunt, aber hier sehen wir schwarz“, machte Sarah Bickmann, Leiterin in St. Martin Warburg, deutlich. Man sei „sprachlos“.
Am Donnerstag (26. März) hatten die Leiterinnen zu einem Hintergrundgespräch für Eltern und die interessierte Öffentlichkeit in die Kita auf der Hüffert eingeladen. Der Träger der Einrichtung, die Katholische Kindertageseinrichtungen im Hochstift gGmbH, erhebt oft die Stimme, wenn die Politik die Rahmenbedingungen für die Kitas aus Sicht der Einrichtungen verschlechtern will.
Die Eckpunkte des Entwurfs
Eckpunkt des Entwurfs für das neue KiBiz ist eine größere Flexibilisierung der Kita-Gruppen, um Personal besser einsetzen zu können, was jedoch zu größeren Gruppen führen kann. Als Betreuungszeiten sollen künftig 25, 30, 35, 40 oder 45+x für Eltern buchbar sein. Kita-Helfer sollen Fachkräfte unterstützen, damit dieser Umfang angeboten werden kann. Für den Erzieherberuf soll es eine Ausbildungsoffensive geben. Die Landesregierung plant auch eine Erhöhung der Grundfinanzierung für Träger.
Der jetzt vorliegende Entwurf, der bis zum Sommer zum Gesetz werden könnte, klinge nur gut, sei es aber nicht, ärgern sich die Leitungen zahlreicher Einrichtungen aus dem Warburger Stadtgebiet. „Das KiBitz ist jetzt schon schlecht, aber es soll noch schlechter werden“, bringt es Katja Schweins, Leiterin der Germeter Einrichtung St. Michael, auf den Punkt.
Ein konkretes Beispiel: Kita-Leitungen erhalten Freistellungen von 20 Stunden pro Monat plus 35 Minuten pro Ganztagesplatz. Diese Stunden reichten bei den vielfältigen Aufgaben schon heute nicht aus. Im Entwurf solle dieser Wert aber auf fünf Stunden pro Gruppe reduziert werden.
Dorf-Kitas kommen unter die Räder
Besonders kleine Kitas mit nur ein oder zwei Gruppen träfe das. Und die hätten es ohnehin sehr schwer zu überleben. Der katholische Kita-Träger im Hochstift möchte aber gerade, dass die Einrichtungen als Treffpunkt in den Dörfern und Stadtteilen erhalten bleiben, sagt Katja Schweins.
Auch vom wissenschaftlich empfohlenen Betreuungsschlüssel sei man im Gesetzentwurf weit, weit entfernt, berichtet die Germeter Kita-Leiterin. Eine Erziehungskraft soll sich normalerweise höchstens um drei Kinder unter drei Jahren oder um sieben über Dreijährige kümmern. Das sei schon lange nicht mehr der Fall – und der Schlüssel solle noch einmal verschlechtert werden.
Ständig wechselnde Ansprechpersonen
Ilona Kröger (Kita St. Franziskus Warburg) hält auch die geplanten Randzeiten, in denen Kinder von Personal ohne Fachkenntnisse betreut werden könnten, für ein „Bürokratiemonster“. Das Land wolle die Öffnungszeiten der Kitas in „Kernzeiten“ und „Randzeiten“ aufteilen. Das bedeute, dass die Kinder über den Tag verteilt ständig wechselnde Ansprechpersonen hätten.
Die katholischen Kindertageseinrichtungen im Warburger Stadtgebiet sind sich aber sicher: „Gerade kleine Kinder brauchen feste, vertraute Gesichter, um sich sicher zu fühlen.“ Der neue Gesetzentwurf achte zu wenig auf die pädagogische Qualität, heißt es.
Zuschüsse sind nicht hoch genug
Selina Güntermann (Mariä Himmelfahrt) sind auch die im Entwurf geplanten Sachkostenansätze für die Kitas zu gering, alle vorhandenen Mittel würden für den Personalbestand benötigt. Für nötige Instandhaltungen der Gebäude bietet die Förderung keinen ausreichenden Spielraum. Die Zuschüsse des Landes hielten mit den Preissteigerungen nicht Schritt.
Die Protestteilnehmerinnen forderten eine Finanzierung, die die wirklichen Kosten abdeckt, damit die Kitas sichere und schöne Orte bleiben. Kitas im Warburger Land können schon heute kaum noch eine schwarze Null erwirtschaften.
Die Träger und das Personal wollten Kindern Werte vermitteln, sie fördern und ihnen einen guten Start ins Leben ermöglichen. Bei derzeitiger Förderung und vor dem Hintergrund des neuen Gesetzes sei das kaum möglich, sind sich alle Kita-Leitungen einig.
500.000 Euro von der Stadt gibt es schon
Auf viel Verständnis stößt der Protest bei der Warburger Kommunalpolitik. Der stellvertretende Bürgermeister und CDU-Ratsherr Thomas Vonde wies darauf hin, dass die Stadt jährlich eine halbe Million Euro als Betriebskostenzuschuss an die Kirchen und freien Träger zahle. Auch er glaubt, dass das Land noch mehr Geld in das System stecken müsse, wenn der Auftrag der frühkindlichen Bildung ernstgenommen werden soll.
Wie funktioniert das System?
Kindergärten sind eigentlich staatliche Aufgabe. Organisiert wird das System vom Kreis Höxter, das Erziehungspersonal wird vom Land bezahlt. Um die Gebäude kümmern sich die Kommunen. Im Kreis Höxter übernehmen aber vielfach andere Kita-Träger diese Aufgabe – Kirchen, freie Träger, Sozialverbände. Im Warburger Stadtgebiet ist das zumeist die Katholische Kindertageseinrichtungen im Hochstift GmbH. Dafür erhalten sie Geld vom Land (fürs Personal) und einen Betriebskostenzuschuss für die Gebäude von der Stadt.
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Die Warburger Kitas sind übrigens nicht die einzigen, die Proteste gegen das neue Kibitz initiieren. In Natzungen (ebenfalls am Donnerstag) und in Höxter-Stahle (am Montag, 30. März) sind größere Demos auch bei der Polizei angemeldet worden.
Von Jürgen Vahle